"Abflug" erzählt die Geschichte einer Abschiebung und der menschlichen Schicksale, die davon betroffen sind. Auf der einen Seite: eine in Deutschland integrierte Familie aus Togo und ein Ghanaer, der sich schämt mit leeren Händen nach Hause zurückzukehren. Auf der anderen Seite: der leitende Angestellte der Ausländerbehörde, der die Abschiebung organisiert.
Ein Theaterstück zwischen den Welten, zwischen Afrika und Europa.
Über Fluchtgründe. Über Wege in die Fremde. Über Heimat und
Integration. Aber auch über das Leben in Europa sowie die
Exportsubventionen Europas und ihre Folgen.
Aufwühlend, berührend, ein Thema, bei dem man nicht wegschauen
sollte.
Melina Nkapou ist siebzehn. Mit zwei Jahren kam sie nach Deutschland. Ihre Familie musste aus Togo fliehen, weil der Vater Flugblätter gegen die Diktatur verfasst hatte. Melina besucht den Kindergarten, die Grundschule, die Realschule. Irgendwann wird zu Hause nur noch Deutsch gesprochen. Wenn es in der Schule eine Feier gibt, kocht ihre Mutter zwar afrikanische Spezialitäten, aber Melina isst lieber Bratwurst.
Dann kommt der Tag, der alles verändert.
Die Familie wird um 5.00 Uhr morgens von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Ihre Duldung in Deutschland ist abgelaufen. Nun sollen sie nach Togo abgeschoben werden. Sie haben eine halbe Stunde Zeit, um zwanzig Kilo Gepäck für ihr zukünftiges Leben zu packen - ein Leben in Westafrika, das Melina nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und aus dem Fernsehen kennt. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, an deren Ende ein Land auf sie wartet, dessen Amtssprache Französisch Melina genauso wenig beherrscht wie die Stammessprache Ewe.
Raimou Hamadou ist nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Er wusste keinen anderen Ausweg, seine Familie zu Hause durchzubringen. Die Tomatenmarkfabrik, für die er in Ghana gearbeitet hatte, war zusammengebrochen; EU-subventionierte Produkte hatten den Markt überschwemmt. Seine abenteuerliche Flucht quer durch Afrika nach Europa endet am Spültisch eines Hamburger Restaurants.
Sie sind unfreiwillige Passagiere der ersten europäischen Sammelabschiebung. Ein Erfolgsmodell mit EU–Mitteln gefördert, entwickelt von Udo Krapke von der Hamburger Ausländerbehörde.


