Nathan der Weise
Nach dem Dramatischen Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing in einer Aufführung vom Landestheater Detmold.
„Wann hat und wo die fromme Raserei, den bessern Gott zu haben, diesen bessern der ganzen Welt als besten aufzudringen, in ihrer schwärzesten Gestalt sich mehr gezeigt als hier“ – mit Gewalt und Zerstörung beginnt Lessings Stück von 1783, und der Ort des Geschehens ist uns durchaus als der gewärtig, an dem unterschiedliche religiöse Überzeugungen immer noch extrem zu Tage treten: Jerusalem.
Als der jüdische Geschäftsmann Nathan von einer Reise zurückkehrt, muss er erfahren, dass sein Haus in Brand gesteckt wurde. Doch seine Pflegetochter Recha hat überlebt, da ein christlich erzogener junger Mann sie rettete. Dass sie nun zärtliche Gefühle für den Andersgläubigen hegt, ist Anlass einer spannungsvollen Suche nach Lebenssinn und Identität, die auch und gerade die Frage beinhaltet, welcher Glaube der einzig wahre und richtige sei. Nathan beantwortet diese mit einer Parabel, welche zur Einsicht gleichberechtigten Miteinanders, notwendiger gegenseitiger Akzeptanz und einer Überwindung der Fronten verhelfen soll.
Lessings Gedanke der Vereinigung des Gegensätzlichen durch Toleranz und Vernunft ist Utopie geblieben. Damals wie heute werden (religiöse) Dogmen fanatisch gegen die jeweils anderen „Ungläubigen“ vertreten und brutal durchgesetzt. Die Botschaft des Stückes ist insofern von beklemmender Aktualität.
Um 15 Uhr findet in der Konferenzzone eine kostenlose Einführung statt.
